Doris Gutsmiedl-Schümann

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Doris Gutsmiedl-Schümann

Auf diesen Seiten möchte ich einen Überblick über meine Forschungsaktivitäten geben: Hier stelle ich sowohl laufende als auch abgeschlossene Projekte vor. Sofern Ergebnisse oder Teilergebnisse dieser Projekte bereits der Fachöffentlichkeit vorgestellt oder publiziert wurden, finden sich auf den jeweiligen Projektseiten entsprechende Hinweise. Zudem werden bei den einzelnen Projekten die hierzu eingeworbene Drittmittel aufgeführt.

Chronologisch liegen meine Forschungsschwerpunkte vor allem im ersten Jahrtausend n.Chr., geographisch vor allem in Mittel- und Nordeuropa. In meinen Forschungen verbinde ich theoretische Ansätze mit der materiellen Kultur des archäologischen Fundguts, und lasse dies auch in meine Lehrveranstaltungen einfließen. Weitere meiner Arbeitsbereiche sind Gender Archaeology, das archäologische Umfeld von Tod und Bestattung bzw. Gräberarchäologie, spätantike und frühmittelalterliche Chronologie und die theoretischen Grundlagen und die Anwendung von statistischen Methoden und Datenbanken in der Archäologie.


Die Pest in diachroner und interdisziplinärer Perspektive

In den letzten Jahren haben Studien zu individuellen Lebensbedingungen, Krankheiten und Todesursachen insbesondere durch die immer weiter entwickelten Methoden der Paläoanthropologie, Paläopathologie und Mikrobiologie einen Aufschwung erlebt. Dadurch wurden zum einen tiefergehende Kenntnisse über Krankheiten und die Entwicklung von Krankheitserregern gewonnen, zum anderen lassen diese neuen Erkenntnisse manchen archäologischen Befund in einem anderen Licht erscheinen. Dies möchte ich am Beispiel der Pest und des Erregers yersinia pestis herausarbeiten, und zugleich die Frage stellen, welche Verantwortungen sich aus diesen neuen Methoden für die Archäologie ergeben.

Die Pest war zunächst vor allem aus schriftlichen Quellen bekannt. Nach diesen Beschreibungen wird traditionell von drei sog. Pandemien gesprochen: Die sog. Justinianische Pest des frühen Mittelalters, der sog. Schwarze Tod des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit, und die sog. Hong-Kong Pest des 19. Jahrhunderts.

Im archäologischen Befund war die Pest weitaus schwieriger nachzuweisen. Durch moderne naturwissenschaftliche Methoden war es nun u.a. möglich, in einigen, bislang als nicht weiter auffällig eingestuften Gräbern und Grabfunden die Anwesenheit der Pest eindeutig zu belegen – nicht nur in jenen Zeiten und Gegenden, die bereits aus den schriftlichen Quellen bekannt waren, sondern bereits bedeutend früher und außerhalb des traditionell angenommenen Verbreitungsgebiets der Pest. Die ältesten derzeit bekannten Befunde stammen z.B. aus bronzezeitlichen Kontexten Eurasiens.

Eine kritische Betrachtung der bisher bekannten Quellen und Untersuchungen in ihrem zeitlichen und gesellschaftlichen Kontext, sowie eine zusammenfassende Dartstellung der Befunde zur Pest sollen hier zu einer differenzierteren Betrachtungsweise zusammengeführt werden.

Veröffentlichungen:

Hierzu wurden bei folgenden Gelegenheiten Vorträge gehalten:

  • Abendvortrag am 7.11.2018 an der Universität Leipzig
  • Keynote auf der Tagung “Medizin im Altertum”, 8.-10.11.2018, Berkheim-Bonlanden
  • Abendvortrag am 5.4.2019 am Museum Herxheim
  • Zudem war “Die Pest in diachroner und interdisziplinärer Perspektive” Thema meines Habilitationsvortrags am 18.7.2018 am Fachbereich Geschichts- und Kulturwissenschaften der Freien Universität Berlin

Publikationen befinden sich in Vorbereitung.


Eine Archäologie der Diversität?

Unter dieser Überschrift lassen sich all jene meiner Forschungsaktivitäten zusammenfassen, in denen ich mich mit den Kategorien “Gender” und “Diversität” kritisch und aus unterschiedlichen Perspektiven befasse.

Veröffentlichungen:

Bei folgenden Gelegenheiten habe ich hierzu gesprochen:

  • auf der 85. Jahrestagung des West- und Süddeutschen Verbands für Altertumsforschung (WSVA), 01.-05.04.2019, Würzburg, im Forum Archäologie und Gesellschaft
  • auf dem Forschungtag des Instituts für Prähistorische Archäologie, Freie Universität Berlin, 15.12.2017

Aufsätze und Publikationen sind bereits erschienen, oder befinden sich in Druckvorbereitung:

  • Doris Gutsmiedl-Schümann / Michaela Helmbrecht, Geschlechtergerechtigkeit vom Studium bis zum Arbeitsalltag. Blickpunkt Archäologie 3/2017, 166-174.
  • Im Druck: Doris Gutsmieddl-Schümann, Gendered and diversified fieldwork classes in Bachelor and Master study programs? An examination of and a perspective on study programs of German Universities. In: Julia K. Koch / Wiebke Kirleis (eds.), Gender Transformations in Prehistoric and Archaic Societies. Scales of Transformation in Prehistoric and Archaic Societies Vol. 6 (Leiden in print). peer reviewd
  • In Druckvorbereitung: Doris Gutsmiedl-Schümann, Gender und Diversity in Bachelorstudiengängen der Prähistorischen Archäologie.

Weitere Aufsätze befinden sich in Vorbereitung.


Archäologiestudiengänge als Forschungsgegenstand

Studiengängen sind das Fundament einer akademischen Disziplin, da alle zukünftigen Kolleginnen und Kollegen über das Studium in das jeweilige Fach hineinkommen, und dort entsprechend sozialisiert werden. Daher habe Studiengänge auch großen Einfluss darauf, welche Forschungsfragen bei künftigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern im Mittelpunkt stehen, und welche Perspektiven von ihnen eingenommen werden.

Bislang gibt es nur wenige Untersuchungen zu Lehren und Lernen in den archäologischen Fächern, oder dazu, wie und nach welchen Prinzipien Archäologiestudiengänge gestaltet werden, und welchen Einfluss dies etwa auf die Diversität innerhalb der archäologischen Fächer hat. Durch die Kombination meiner beiden Professionen - prähistorische Archäologie und Hochschuldidaktik - habe ich begonnen, die Archäologiestudiengänge an deutschen Universitäten näher zu betrachten.

Veröffentlichungen:

Bei folgenden Gelegenheiten wurden Aspekte dieser Untersuchungen in Vorträgen vorgestellt:

  • Focus: Museum, 15.-17.04.2019, Archaeologisches Museum Brandenburg
  • 85. Jahrestagung des West- und Süddeutschen Verbands für Altertumsforschung (WSVA), 01.-05.04.2019, Würzburg
  • 24th Annual Meeting of the European Association of Archaeologists (EAA), 05.-09.09.2018, Barcelona, Spain
  • Jahrestagung des *Mittel- und Ostdeutschen Verbands für Altertumsforschung (MOVA) und des West- und Süddeutschen Verbands für Altertumsforschung (WSVA), 19.- 22.03.2018, Halle (Saale)
  • Gender transformations in prehistoric and archaic societies, 08.–10.03.2018, Kiel

Folgende Aufsätze und Veröffentlichungen sind aus diesen Untersuchungen hervorgegangen:

  • Doris Gutsmiedl-Schümann, Wie lassen sich neue Inhalte schnell in die Lehre in Bachelor- und Masterstudiengänge einbringen? Einige Anmerkungen zu Problemen und Umsetzungsmöglichkeiten in modularisierten Studiengängen am Beispiel des Kulturgüterschutzes aus studiengangsorganisatorischer und didaktischer Sicht. Archäologische Informationen 42, 2019, Early View. peer reviewed
  • Doris Gutsmiedl-Schümann, Beitrag in einer formalisierten Debatte bzw. im Debattierclub. In: J. Gerick/A. Sommer/G. Zimmermann (eds.): 50 Prüfungsformate für die Hochschullehre. Kompetent Prüfungen gestalten (Münster 2017) 25-29.
  • Im Druck: Doris Gutsmieddl-Schümann, Gendered and diversified fieldwork classes in Bachelor and Master study programs? An examination of and a perspective on study programs of German Universities. In: Julia K. Koch / Wiebke Kirleis (eds.), Gender Transformations in Prehistoric and Archaic Societies. Scales of Transformation in Prehistoric and Archaic Societies Vol. 6 (Leiden in print). peer reviewd
  • In Druckvorbereitung: Doris Gutsmiedl-Schümann, Gender und Diversity in Bachelorstudiengängen der Prähistorischen Archäologie.

Kontinuität und Wandel von Lebenswelten im regionalen und diachronen Vergleich während der Spätantike

Der zeitliche Rahmen, in welchem sich das Projekt bewegt, wird im Titel mit dem Begriff „Spätantike“ umschrieben. Historisch-politisch soll die Spätantike als die Zeit von Diokletian (284-305) bis Justinian (527-565) verstanden werden. Archäologisch gesehen umfasst dies einen Großteil der jüngeren römischen Kaiserzeit, die Völkerwanderungszeit und Teile der älteren Merowingerzeit. Damit umfasst der Untersuchungszeitraum sowohl Perioden politischer und wirtschaftlicher Stabilität als auch von Umbrüchen geprägte Zeiten, und ist gut dazu geeignet, Kontinuität und Wandel von Lebenswelten unter unterschiedlichen Voraussetzungen und Rahmenbedingungen zu untersuchen.

Im Rahmen des Projektes sollen mit Hilfe von soziologischen und philosophischen Konzepten zu Lebenswelten und sozialen Rollen sowie mit Hilfe des Habituskonzepts die theoretischen und methodischen Grundlagen erarbeitet werden, um Lebenswelten anhand von Siedungs- und Grabfunden erforschen zu können. Im Laufe der Arbeiten sollen diese anhand von konkreten Fallbeispielen und Fundstellen verfeinert werden. Hierzu sollen Kontinuität und Wandel von Lebenswelten der Spätantike in gewählten Beispielregionen untersucht und die Ergebnisse der einzelnen Regionen diachron miteinander verglichen werden. Ausgangspunkt der Untersuchungen bilden dabei archäologische Quellen, die je nach Verfügbarkeit weiterer Quellen um solche aus Nachbarwissenschaften ergänzt werden. Dabei zeichnen sich die gewählten Beispielregionen durch einen guten Stand der Quellenerschließung und -edition aus. Sie verfügen über unterschiedliche naturräumliche Gegebenheiten und sind eingebunden in unterschiedliche politische Räume. Im Verlauf der Spätantike sind die Gebiete unterschiedlichen Ereignissen und Veränderungen unterworfen, daher ist es reizvoll, sie gegen einander zu kontrastieren.

Eingeworbene Drittmittel:

Maria von Linden-Frauenförderprogramm: Finanzierung einer wissenschaftlichen Hilfskraft mit 10 Stunden/Woche für 18 Monate zur Unterstützung bei der Datenaufnahme in der ersten Projektphase


Die justinianische Pest im frühmittelalterlichen Bayern

in Zusammenarbeit mit der Staatssammlung für Anthropologie und Paläoanatomie, München, und dem Institut für Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie und Provinzialrömische Archäologie, LMU München

„Plague, as any disease, is both a biological as well as a social entity. To address its social component, we need to examine such aspects as popular perception and response as well as the effects that the pandemic had.“ schreibt Dionysios Stathakopoulos (2007). Dies ist auch der Fall für die sog. „Justinianische Pest“, die in der Mitte des 6. Jahrhunderts erstmals im Mittelmeerraum beschrieben wurde, und sich von dort innerhalb weniger Jahre in die damals bekannte Welt verbreitete.

Bislang konnten nur wenige nicht-schriftliche Quellen herangezogen werden, um die Auswirkungen der Justinianischen Pest auf die zeitgenössischen Gesellschaften zu erforschen. Mit den Entwicklungen der Paläogenetik wurde es nun möglich, die Pest auch dort als Todesursache nachzuweisen, wo schriftliche Nachweise fehlen. Ein Beispiel hierzu ist das frühmittelalterliche Gräberfeld Aschheim-Bajuwarening, wo an Doppelgrab 166/167 erstmals der genetische Nachweis der Justiniansischen Pest gelang, und in dem in der Folge weitere Doppel- und Mehrfachbestattungen untersucht wurden; ein weiteres Beispiel ist das frühmittelalterliche Gräberfeld von Altenerding, etwa 25 km entfernt von Aschheim gelegen.

Veröffentlichungen:

Vorträge hierzu wurden bei folgenden Gelegenheiten gehalten:

  • auf der Tagung Reihengräber - Nutzen wir doch die Quellenfülle!, 17.-20.02.2015, Mannheim (zusammen mit Michaela Harbeck)
  • 22nd Annual Meeting of the European Association of Archaeologists (EAA), 31.08.-03.09.2016, Vilnius, Lithuania (zusammen mit Michaela Harbeck, Marcel Keller, Andreas Rott und Bernd Päffgen); ein Mitschnitt des Vortrags ist unter https://youtu.be/VxApuvMlzeA verfügbar
  • auf der Tagung Unwated Cargo: Disseases along the silk road, 06.-07.06.2016, University of Nottingham, UK
  • auf dem 69. Internationalen Sachsensymposion, 15.-19.09.2018, Stockholm, Schweden

Folgende Aufsätze, an denen ich beteiligt war, sind aus diesen Untersuchungen hervorgegangen:

  • Doris Gutsmiedl-Schümann / Michaela Harbeck, Neues zur Aschheimer Pest: Kulturgeschichtliche Implikationen alter DNA. In: Ursula Koch (Hrsg.), Reihengräber des frühen Mittelalters: Nutzen wir doch die Quellenfülle! (Remshalden 2016), 235-242.
  • Doris Gutsmiedl-Schümann / Michaela Harbeck, Auch von der Pest nicht verschont. Archäologie in Deutschland 3/2015, 30-31.
  • Doris Gutsmiedl, Die Pest im frühen Mittelalter in Aschheim. In: Jahresschrift des Bajuwarenhofs Kirchheim 2004 (Kirchheim 2005), 112-116.
  • Doris Gutsmiedl, Die justinianische Pest nördlich der Alpen? Zum Doppelgrab 166/167 aus dem frühmittelalterlichen Reihengräberfeld von Aschheim-Bajuwarenring. In: Bernd Päffgen / Ernst Pohl / Michael Schmauder (Hrsg.), Cum grano salis. Beiträge zur europäischen Vor- und Frühgeschichte. Festschrift für Volker Bierbrauer zum 65. Geburtstag (Friedberg 2005), 199-208.

Images of the Past: Gender and its representations

Visual representations of gender throughout prehistory and history are seen in museum displays, reconstructions, movies, children’s books, comics, living history or similar. With this book we propose to have a critical look on visual presentations of the past, and to reveal the gender concepts behind them. As „a picture is worth a thousand words“, these visual presentations have great influence on the observer’s view on the past and several aspects of the present – especially when the images are used in communication with the public. The book shall illustrate

1) by whom and how images of the past and past gender are produced 2) what the (hidden) aims of designers, scientists, artists, curators or actors are when depicting (pre)historic humans 3) how conscious and unconscious concepts of (prehistoric) gender influence illustrations, models, drawings, movies, children’s books, and TV series 4) how images of the past influence the ideas of readers’ and visitors’ concepts of (contemporary) gender 5) what visual presentations of the past tell about archaeologists or archaeology as a profession

Images of the past: Gender and its representations was a session at the 20th Annual meeting of the European Association of Archaeologists, 10.-14.09.2014, Istanbul, Turkey.

Eingeworbene Drittmittel:

Frauenfördermittel des Fachbereichs Geschichts- und Kulturwissenschaften der Freien Universität Berlin

Veröffentlichung:

Jana Esther Fries / Doris Gutsmiedl-Schümann / Jo Zaela B. Matias / Ulrike Rambuscheck (Hrsg.), Images of the past: Gender and its representations. Frauen – Forschung – Archäologie 13 (Münster 2017).

In 2018, the topic visual representations of the past = images of the past was chosen for a lecture and a seminar at Freie Universität Berlin. As the students who participarted in the seminar gave very impressive papers and rised new research questions, the papers of this seminar are currently transferred into a edited volume.


Pionierinnen in den Archäologien

Im Buchprojekt Ausgräberinnen, Forscherinnen, Pionierinnen. Ausgewählte Portraits früher Archäologinnen im Kontext ihrer Zeit wurden ausgewählte Beispiele von Frauen zusammengestellt, die - im doppelten Sinne - Pionierinnen waren. Sie leisteten wichtige Anteile an der Entwicklung ihrer akademischen Fächer und übernahmen zudem auf Ausgrabungen, in Museen und Universitäten für Frauen in der damaligen Zeit ganz ungewöhnliche Aufgaben.

Ziel des Buchprojektes war es, darzustellen, was es für Frauen ab der Mitte des 19. Jahrhunderts hieß, Archäologin zu sein. Hierzu werden auch die Haltungen von Familien und sozialem Umfeld zu den grabenden und forschenden Frauen beleuchtet und Förderung und Behinderung durch eine männlich geprägte Fachwelt sowie die Schwierigkeiten, die es den Frauen bereitete, Archäologie und Familie unter einen Hut zu bringen, dargestellt.

Eingeworbene Drittmittel:

Maria von Linden Frauenförderprogramm, Deutscher Akademikerinnenbund, Gerda-Weiler-Stiftung

Veröffentlichung:

Jana Esther Fries / Doris Gutsmiedl-Schümann (Hrsg.), Ausgräberinnen, Forscherinnen, Pionierinnen. Ausgewählte Portraits früher Archäologinnen im Kontext ihrer Zeit. Frauen – Forschung – Archäologie 10 (Münster 2013).


Rollenvorstellungen und Lebenswelten von Männern und Frauen in der Jüngeren Römischen Kaiserzeit und Völkerwanderungszeit Westskandinaviens nach archäologischen Zeugnissen

Innerhalb ihres sozialen Umfelds wird eine Person mit unterschiedlichen Rollenvorstellungen und Rollenerwartungen konfrontiert, je nachdem, mit wem bzw. welchem Gegenüber das Individuum im konkreten Fall interagiert. Beispiele für diese Rollenvorstellungen, die auf eine Person übertragen werden können, wären geschlechts- oder familienspezifische Rollen, arbeits- oder berufsspezifische Rollen, religiöse Rollen oder altersabhängige Rollen. Die Lebenswelt einer Person steht und entsteht im Spannungsfeld der unterschiedlichen Rollenerwartungen, die das Individuum gegenüber der Gesellschaft zu erfüllen hat, den Freiräumen, die die einzelne Person bei der Ausgestaltung der ihr zugedachten sozialen Rollen hat, und dem Alltagsleben des Einzelnen, das vor allem durch wiederkehrende Tätigkeiten und Handlungsabläufe geprägt ist. Innerhalb dieses Spannungsfeldes werden in einem kommunikativen Prozess soziale Position und Lebenswelt einer Person bestimmt. Die soziale Position und die ihr innewohnenden unterschiedlichen sozialen Rollen werden in vielen Fällen durch äußere Zeichen, beispielsweise durch spezifische Kleidung oder das Tragen oder den Gebrauch bestimmter Gegenstände sichtbar gemacht. Damit lassen sie sich in der materiellen Kultur und im archäologischen Befund erfassen. Ziel des Projektes ist daher, Gräber und Grabausstattungen Westskandinaviens innerhalb eines Zeitraumes zwischen verschiedenen Regionen, und innerhalb einer Region zwischen verschiedenen Zeiträumen zu vergleichen, um so Unterschiede und Gemeinsamkeiten in der Repräsentation sozialer Rollen und der Lebenswelten der Menschen zunächst im Grab, und in einem zweiten Schritt dann auch in der zeitgleichen Siedlung herauszuarbeiten.

Hierzu werden beigabenführende Gräber der Jüngeren Römischen Kaiserzeit und Völkerwanderungszeit aus Norwegen zeitlich und nach Regionen gegliedert quantitativen und qualitativen Grabanalysen unterzogen. Quantitative, mit statistischen Methoden durchgeführte Grabanalysen werden getrennt an Männer- und Frauengräbern durchgeführt. Sie dienen dazu, Gemeinsamkeiten, Unterschiede und Untergruppen innerhalb einer Gruppe von Gräbern zu finden. Qualitative Grabanalysen hingegen haben das einzelne, gut ausgestattete und dokumentierte Grab im Blick. Vor dem Hintergrund der zuvor anhand von qualitativen Grabanalysen erzielten Ergebnisse sollen hier einzelne Grabfunde hinsichtlich ihrer Übereinstimmung und ihrer Abweichungen von den typischen Grabausstattungen ihrer Zeit und ihrer Region betrachtet und mit Blick auf die Lebenswelt der dem einzelnen Grab zuzuweisenden Person interpretiert werden.

Durch eine differenzierte Auswertung von Gräbern und Grabfunden werden typische Ausstattungsmuster von Männer- und Frauen, nach Regionen und Zeiten getrennt, herausgearbeitet. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen werden hinsichtlich ihrer Aussage zu Rollenvorstellungen und Lebenswelten von Männern und Frauen in der Jüngeren Römischen Kaiserzeit und Völkerwanderungszeit Westskandinaviens ausgewertet. Auf diese Weise können typische Aspekte der Lebenswelten beider Geschlechter herausgearbeitet werden.

Eingeworbene Drittmittel:

Fritz Thyssen Stiftung: Forschungsstipendium und Reisekosten; Laufzeit des Stipendiums 1. August 2010 bis 31. Juli 2011

Veröffentlichungen:

Teilergebnisse dieses Forschungsprojekts wurden bei folgenden Gelegenheiten vorgestellt

  • 17. Annual Meeting der European Association of Archaeologists, 14.-18. September 2011 in Oslo, Norwegen
  • 62. Sachsensymposion, 24.-28. September 2011 in Hannover
  • VarI-Kolloquium am 26. November 2011 in Köln

Zudem ist aus diesem Projekt bislang bereits ein Aufsatz hervorgegangen:

  • Doris Gutsmiedl-Schümann, Rollenvorstellungen und Lebenswelten der Völkerwanderungszeit am Beispiel von Grabfunden aus ausgewählten Regionen West- und Nordwestnorwegens. In: Individual and Individuality? Approaches towards an Archaeology of Personhood in the First Millennium AD. Neue Studien zur Sachsenforschung 4 (Stuttgart 2013), 27-34.

Archaeology of Female Lifeworlds of Western Scandinavia in the Context of Continental Relations from the Roman to the Migration Period

For many historic periods graves and grave finds offer the best, in some cases the only possible approach to re-discover the individuals and their ever changing environment behind archaeological records and finds due to the direct relationship between the architecture of a certain grave, its inventory and the individual who is buried in said grave. The finds of extensively endowed women’s burials in Norway dating from the Roman and Migration Period will first be classified by integrating them into a chronological and regional context, which will allow studying how such finds define social standing, typical activities, and role models of the women as well as how these concepts changed and developed during the covered periods.

Based on these results non-local grave goods, which are part of the Norwegian inventory, will be matched to Norwegian grave gifts found in England and all over Europe to investigate the interregional contacts and relationships of the western Scandinavian population and to evaluate their geographical and chronological depths. Thus, the Norwegian find complexes will render new insights in the political development of the Roman and Migration Period in Europe from a historical point of view, with specific regard to the role women played in these interregional contacts.

At the core of the research idea herein presented are those western Scandinavian inhumation burials of the Roman and Migration Period that contain typical features of the female lifeworld such as brooches and beads, and thus are commonly appointed women’s burial sites. To investigate important aspects these graves and their inventory will be recorded comprehensively and evaluated regarding their meaning to the life of the elite of Scandinavian women.

In the first centuries AD a small part of the western Scandinavian populace performed a major change in their burial rites. Instead of burying their dead in simple cremations, mostly lacking grave gifts, as they used to do, this prosperous group begins to bury their deceased unburnt in elaborate and richly endowed graves. Although some of the graves show individual decorations to some extent these burials match each other in their main features. So they can be easily subsumed into their own category. Furthermore, they can be found up to the 6th century AD in all of western Scandinavia, thus covering the whole period to be investigated in the proposed research.

In the presented project, women’s graves from the said period and from certain Norwegian districts will be collected. For the current project the districts of Hordaland, Rogaland, Vest-Adger, Nord-Trondelag and Nordland had been choosen as examples. The study itself will focus on the significance of the graves and the objects they contain regarding the life of the western Scandinavian women and their respective role models during the Roman and Migration Period. Special attention will be paid to the non-local objects that made their way from the continent and the British Isles into the graves of Norway. These objects then will be utilized to investigate the interregional and international relationships of the western Scandinavian population more closely from a female perspective.

Eingeworbene Drittmittel:

Norwegian Research Council, Yggdrasil grants for research stays in Norway: Stipendium für einen Forschungsaufenthalt in Norwegen; Laufzeit: 15. März 2010 bis 31. Juli 2010

Veröffentlichungen:

Dieses Forschungsprojekts wurde auf folgenden Tagungen und Vorträgen der Fachöffentlichkeit präsentiert:

  • Posterpräsentation auf dem 60. Sachsensymposion, 19.-23. September 2009 in Maastricht, Niederlande
  • Gastvortrag am Department for Archaeology and Religious Studies der Norwegian University of Science and Technology in Trondheim am 21. April 2010
  • Gastvortrag am Department for Archaeology, History, Cultural Studies and Religion (AHKR) der Universität Bergen, Norwegen, am 28. Mai 2010

Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie im schulischen Geschichtsunterricht

Forschungsaktivität im Rahmen des DGUF-Arbeitskreises „Archäologie in Schule und Bildung” (ehemals “Archäologie im Schulbuch“)

Der Arbeitskreis „Archäologie im Schulbuch“ befasst sich mit der Darstellung der Archäologie, speziell der Ur- und Frühgeschichte, in Schulbüchern. Ziel des Arbeitskreises ist eine langfristige Verbesserung der Texte und Abbildungen zu den verschiedenen Epochen von den Steinzeiten bis zum Frühmittelalter in gegenwärtigen Lehrwerken für den Geschichts- und Gesellschaftskundeunterricht.

Ziel des Arbeitskreises ist es, auf lange Sicht die Vermittlung archäologischer Inhalte in Schulen zu verbessern. Dies soll durch Rezensionen von Schulbüchern und Lehrplänen sowie durch die Publikation eines Leitfadens mit Literaturhinweisen zur Archäologie für Lehrer, Pädagogen und Schulbuchautoren erreicht werden. Der Arbeitskreis versteht sich zudem als Forum für Gedankenaustausch und Diskussion zwischen Fachwissenschaftlern, Lehrern und Schulbuchautoren.

Veröffentlichungen:

Aus den Arbeiten im Rahmen des Arbeitskreises “Archäologie in Schule und Bildung” sind folgende gemeinschaftliche Publikationen hervorgegangen:

  • Peter Degenkolb/Doris Gutsmiedl-Schümann/Silviane Scharl/Miriam Sénécheau/Stefan Suhrbier, Literaturempfehlungen zur Archäologie. Fachliteratur, Sachbücher, Kinder- und Jugendliteratur. Hrsg. v. Arbeitskreis Archäologie im Schulbuch der Deutschen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte. Archäologische Berichte 21, 2. überarbeitete Auflage 2012.
  • Doris Gutsmiedl-Schümann/Isabella Engelien-Schmidt, Ur- und Frühgeschichtliche Archäologie im gymnasialen Geschichtsunterricht. In: GWU - Geschichte in Wissenschaft und Unterricht 63, Heft ¾, 2012, 157-172.
  • Peter Degenkolb/Doris Gutsmiedl/Silviane Scharl/Miriam Sénécheau/Stefan Suhrbier, Ur- und Frühgeschichte in aktuellen Lehrplänen für den Geschichtsunterricht. In: Archäologische Informationen 31/1&2, 2008, 103-118.

Sozialarchäologische Untersuchungen an frühmittelalterlichen Gräbern der Münchner Schotterebene

Aus meiner Doktorarbeit gingen weiterführende sozialarchäologische Untersuchungen an frühmittelalterlichen Gräbern der Münchner Schotterebene hervor. Hierzu habe ich zusätzlich zu den Gräbern der Nekropolen Aschheim-Bajuwarenring und Aschheim – Am Wasserturm auf die bereits publizierten archäologischen Funde und anhropologischen Untersuchungen aus bzw. an Gräbern der Gräberfelder Altenerding, München-Aubing und Pliening zurückgegriffen.

Eingeworbene Drittmittel:

Maria von Linden-Frauenförderprogramm: Finanzielle Unterstützung der Teilnahme und Vortragspräsentation auf dem Annual Meeting der European Association of Archaeologists in Riva del Garda/Italien

DAAD, Kongress- und Vortragsreisenprogramm: Finanzielle Unterstützung der Teilnahme und Vortragspräsentation auf der X Nordic TAG in Stiklestad/Norwegen

Veröffentlichungen:

Ergebnisse dieser Untersuchungen wurden auf der 4. Sitzung der AG Geschlechterforschung auf der 79. Jahrestagung des Nordwestdeutschen Verbandes für Altertumsforschung e.V., 31.8.-1.9.2009 in Detmold, und auf der X Nordic TAG, 26.-29. Mai 2009 in Stiklestad, Norwegen, vorgestellt.

Die Publikation der Ergebnisse erfolgte in folgenden Aufsätzen:

  • Doris Gutsmiedl-Schümann, Alter- und geschlechtsspezifische Zuweisung von Hand- und Hauswerk im frühen Mittelalter nach Aussage von Werkzeug und Gerät aus Gräbern der Münchner Schotterebene. In: Jana Esther Fries/Ulrike Rambuscheck (Hrsg.), Von wirtschaftlicher Macht und militärischer Stärke. Beiträge zur archäologischen Geschlechterforschung. Bericht der 4. Sitzung der AG Geschlechterforschung auf der 79. Jahrestagung des Nordwestdeutschen Verbandes für Altertumsforschung e.V. in Detmold 2009. Frauen – Forschung – Archäologie 9 (Münster 2011), 37-74. [Peer Reviewed]
  • Doris Gutsmiedl-Schümann, Vom kleinen Mädchen zur jungen Frau. Rekonstruktionen von Lebensabschnitten weiblicher subadulter Individuen auf Grund von archäologischen Funden aus merowingerzeitlichen Gräbern der Münchner Schotterebene. (Publikation im Tagungsband Girls in Antiquity/Mädchen im Altertum geplant – gegenwärtig im Peer-Review-Verfahren).
  • D. Gutsmiedl-Schümann, Merovingian Men – fulltime warriors? Weapon graves of the continental Merovingian Period of the Munich Gravel Plain and the social and age structure of the contemporary society – a case study In: R. Berge/M. E. Jasinski/K. Sognnes, N-TAG TEN. Proceedings of the 10th Nordic TAG conference at Stiklestad, Norway 2009. BAR International Series 2399 (Oxford 2012), 251-261. [peer reviewed]

Perlendatenbank zur Aufnahme und Bearbeitung frühmittelalterlicher Perlen

Zur Bearbeitung der Perlenensembles aus den frühmittelalterlichen Gräberfeldern von Aschheim habe ich im Jahre 2002 eine relationale Datenbank entworfen und im Programm Access 2000 programmiert. Diese Datenbank wurde zunächst von weiteren Magistranden und Doktoranden am Institut für Vor- und Frühgeschichte der LMU München eingesetzt, und in der Folge auch an Magistranden und Doktoranden anderer Universitäten weitergegeben.

Auf lange Sicht soll die Perlendatenbank auf Grund der Rückmeldungen, die von den Nutzern über die Jahre kamen, nochmals überarbeitet und zugleich auf das freie Programm LibreOffice umgestellt werden. Ziel ist es, die Perlendatenbank als Arbeitsmittel für die Bearbeitung frühmittelalterlicher Perlen für Fachkolleginnen und -kollegen mittels Download frei verfügbar zu machen. Im Frühjahr/Sommer 2015 wurde eine neue Version der Perlendatenbank auf Basis von MS Access erstellt. Eine Kopie kann auf Anfrage gerne weitergegeben werden.

Veröffentlichung:

Die Perlendatenbank wurde im Rahmen eines Vortrags auf der 1. Sitzung der Arbeitsgemeinschaft Spätantike und Frühmittelalter im Rahmen der 78. Jahrestagung des West- und Süddeutschen Verbandes für Altertumskunde, 6.-10. Juni 2006 in Xanten der Fachöffentlichkeit vorgestellt.


Das frühmittelalterliche Gräberfeld von Aschheim-Bajuwarenring, Lkr. München.

Studien zu Chronologie, Bestattungssitten, Alters- und Sozialstruktur eines merowingerzeitlichen Ortsgräberfelds der Münchner Schotterebene

Dissertationsprojekt in Kooperation mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, Abteilung Bodendenkmalpflege, Restaurierung Archäologie, der Gemeinde Aschheim, der Geschichtlich-Heimatkundlichen Sammlung Aschheim sowie der Bayerischen Staatssammlung für Anthropologie und Paläoanatomie München

Gegenstand meiner Doktorarbeit war das 1996 entdeckte, 444 Bestattungen umfassende frühmittelalterliche Gräberfeld von Aschheim-Bajuwarenring. Während der Arbeit an diesem Thema wurden bei weiteren Ausgrabungen im Jahre 2002 etwa 700m entfernt 25 Gräber einer weiteren frühmittelalterlichen Nekropole entdeckt: Diese Gräber wurden unter der Bezeichnung „Aschheim- Am Wasserturm“ in dieser Arbeit ebenfalls behandelt, jedoch nachträglich nicht mehr in den Titel aufgenommen.

Die Bearbeitung des Gräberfelds Aschheim-Bajuwarenring und der Gräber vom Aschheimer Wasserturm verfolgte in zwei große Ziele: Zunächst wurden die Funde aus den beiden Aschheimer Nekropolen formenkundlich-antiquarisch und chronologisch näher betrachtet; die Funde wurden gezeichnet und in einen Katalog aufgenommen. Viele der dabei entstandenen Einzelfundanalysen finden sich nun im kommentierten Katalog meiner Arbeit. Es wurde eine relative Abfolge der Grabinventare erstellt, und typische Funde wurden zu Kombinationsgruppen zusammengefasst. Diese Kombinationsgruppen wiederum wurden über Vergleichsfunde mit absoluten Daten versehen. Basierend auf den Fundkombinationsgruppen wurden schließlich die verschiedenen kulturellen Bezüge, die sich in den Grabinventaren spiegeln, näher betrachtet. Besonderes Augenmerk wurde auf die Perlenensembles aus den Frauengräbern gelegt; wie sich zeigte, war eine kombinationsstatistische Untersuchung der Perlenensembles die beste Möglichkeit, die Frauengräber zu datieren. Anhand des Perlenmaterials aus der Nekropole Aschheim-Bajuwarenring gelang es, eine Perlenchronologie zu erstellen, die auch für andere frühmittelalterliche Gräber Altbaierns Gültigkeit besitzt.

Im Falle des Gräberfelds Aschheim-Bajuwarenring liegt nun erstmals die Auswertung einer frühmittelalterlichen Nekropole vor, aus der nur etwa die Hälfte der aufgefundenen Objekte restauriert wurden. Die unrestaurierten Objekte wurden auf Grund von Röntgenbildern bearbeitet und formenkundlich-antiquarisch beurteilt.

Das zweite Ziel der Arbeit befasst sich mit der soziologischen Auswertung der Gräber, insbesondere der Grabinventare der Nekropole Bajuwarenring. Hier wird unter Bezugnahme auf anthropologische Bestimmungen von Geschlecht und Sterbealter der Bestatteten der Zusammenhang von Alter und Beigabenausstattung untersucht. So konnten sowohl altersabhängige Grabsitten als auch altersspezifische Grabausstattungen, und somit auch altersabhängige Kleidungsbestandteile identifiziert, und mit Blick auf die historische und ethnologische Forschung weiter interpretiert werden.

Die Ausgrabung der Nekropole Aschheim-Bajuwarenring erfolge in den Jahren 1997 und 1998, ab dem Jahre 2000 wurden die Funde aus den Gräbern restauriert. Die Konservierung und Restaurierung der Objekte erfolgte erstmalig im Rahmen einer Kooperation zwischen einer Gemeinde und dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege: Während die Gemeinde Aschheim für die Personalkosten der Restauratoren aufkam, stellte das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege einen Arbeitsplatz in der Projektwerkstatt seiner Restaurierungswerkstätten und Arbeitsmittel zur Verfügung. Mit kurzen Unterbrechungen wurde die Restaurierung der Funde bis 2006 fortgeführt. Ebenfalls ab dem Jahre 2000, parallel zur Konservierung und Restaurierung der Funde, begann die archäologische Bearbeitung der Nekropole Aschheim Bajuwarenring. Um eine enge Zusammenarbeit und entsprechenden Austausch zwischen Restaurator bzw. Restauratorin und Archäologin zu ermöglichen, wurde hierfür ebenfalls ein Arbeitsplatz in der Projektwerkstatt eingerichtet. Von Fall zu Fall wurden bei der Analyse einzelner Objekte weitere Spezialisten hinzugezogen, etwa zur Untersuchung von Textilresten die Textilrestauratorin Antja Bartel, Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, oder zur Analyse von Runeninschriften Prof.Dr. Klaus Düwel, Göttingen. Die Skelett- und Knochenfunde des Gräberfelds wurden von der Anthropologin Dr. Anja Staskiewicz in der Staatssammlung für Anthropologie und Paläoanatomie München in den Jahren 2004 bis 2006 im Rahmen des DFG-Projekts „Einfluss eines Seuchengeschehens auf die Alltags- und Sachkultur im frühen Mittelalter am Beispiel des Gräberfelds von Aschheim-Bajuwarenring, 6. bis 7. Jahrhundert n. Chr.“ bearbeitet. Bereits während der Laufzeit des Restaurierungsprojekts wurden zudem immer wieder fertig bearbeitete Funde und Grabensembles zur Ausstellung an die Geschichtlich-heimatkundliche Sammlung Aschheim übergeben. Die Publikation „Das frühmittelalterliche Gräberfeld Aschheim-Bajuwarenring“ ist als Abschluss der Bearbeitung im Jahre 2010 erschienen.

Insgesamt zeichnete sich die Bearbeitung der Nekropole Aschheim-Bajuwarenring durch eine enge Vernetzung zwischen den beteiligten Disziplinen aus, allen voran der Restaurierung, der Archäologie und der Anthropologie, sowie durch eine enge Zusammenarbeit mit der Geschichtlich-heimatkundlichen Sammlung, dem Museum der Gemeinde Aschheim.

Eingeworbene Drittmittel:

Promotionsstipendium des Cusanuswerks: Laufzeit 1. Juni 2005 bis 31. Mai 2008.

Publikation des Gräberfelds:

Das frühmittelalterliche Gräberfeld Aschheim-Bajuwarenring. Materialhefte zur bayerischen Vorgeschichte A 94 (Kallmünz/Opf. 2010).

Vorträge und Kongressbeiträge:

Über Ergebnisse bzw. Teilergebnisse des Dissertationsprojektes wurde auf folgenden Tagungen berichtet:

  • Fundmassen. Innovative Strategien zur Auswertung frühmittelalterlicher Quellenbestände , 8.-10. November 2011 in Esslingen
  • Runen-Workshop am Zentrum für Baltische und Skandinavische Archäologie (ZBSA), 3.-4. Februar 2011 in Schleswig
  • 94. Kolloquium der Arbeitsgemeinschaft Frühgeschichtliche Archäologie am 4. März 2010 in Mannheim
  • 80. Kolloquium der Arbeitsgemeinschaft Frühgeschichtliche Archäologie am 29. Juni 2006 in Mannheim
  • 1. Münchner Fachschaftskolloquium, 12.-13. Februar 2005
  • 74. Kolloquium der Arbeitsgemeinschaft Frühgeschichtliche Archäologie am 25. November 2004 in Mannheim
  • 77. Tagung des West- und Süddeutschen Verbands für Altertumskunde, 1.-5. Juni 2004 in Amberg

sowie bei den Montagsvorträgen des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege am 9. Februar 2009 und jeweils im Rahmen eines Abendvortrags am 14. Juni 2010 in Aschheim und beim Akademikerinnenbund Hamburg am 20. Oktober 2010

Artikel und Buchbeiträge:

Neben der oben genannten Monographie aus der Reihe Materialhefte zur Bayerischen Vorgeschichte sind weitere Aufsätze aus dem Dissertationsprojekt hervorgegangen:

  • D. Gutsmiedl-Schümann, Aschheim-Bajuwarenring: Analyse auf Basis von unrestaurierten Funden und Röntgenaufnahmen sowie teilrestaurierten und restaurierten Funden: Ein Erfahrungsbericht. In: S. Brather/D. Krausse (Hrsg.), Fundmassen. Innovative Strategien zur Auswertung frühmittelalterlicher Quellenbestände. Materialhefte zur Archäologie in Baden-Württemberg 97 (Darmstadt 2013), 199-208.
  • D. Gutsmiedl-Schümann, Das Das frühmittelalterliche Gräberfeld Aschheim-Bajuwarenring – Einblicke zur Bevölkerung der Merowingerzeit. In: Jahresschrift des Bajuwarenhofs Kirchheim 2011 (Kirchheim 2012).
  • D. Gutsmiedl-Schümann, Fibeln und Gräberfeld von Aschheim. (Publikation im Tagungsband zum Runen-Workshop des Zentrums für Baltische und Skandinavische Archäologie (ZBSA) geplant – gegenwärtig im Peer-Review-Verfahren).
  • D. Gutsmiedl, Regionalisierungstendenzen merowingerzeitlicher Perlenmode am Beispiel der Perlen aus dem frühmittelalterlichen Gräberfeld von Aschheim-Bajuwarenring, Lkr. München. In: O. Heinrich-Tamaska/N. Krohn/S. Ristow (Hrsg.), Dunkle Jahrhunderte in Mitteluropa? Tagungsbeiträge der AG Spätantike und Frühmittelalter 1 und 2. Studien zu Spätantike und Frühmittelalter 1 (Hamburg 2009), 183-198.
  • D. Gutsmiedl/M. Volpert, Große Landespolitik in Aschheim. Der Aschheimer Raum zur Zeit der ersten bayerischen Landessynode 756. In: ascheim Aschheim. 1250-Jahrfeier der 1. bayerischen Landessynode unter Herzog Tassilo III 756. dornah Dornach. 1150-Jahrfeier der ersten schriftlichen Nennung 856. Ortschronik der Gemeinde Aschheim (Aschheim 2006), 58-63.
  • D. Gutsmiedl, Die Pest im frühen Mittelalter in Aschheim. In: Jahresschrift des Bajuwarenhofs Kirchheim 2004 (Kirchheim 2005), 112-116.
  • D. Gutsmiedl, Die justinianische Pest nördlich der Alpen? Zum Doppelgrab 166/167 aus dem frühmittelalterlichen Reihengräberfeld von Aschheim-Bajuwarenring. In: B. Päffgen/E. Pohl/M. Schmauder (Hrsg.): Cum grano salis. Beiträge zur europäischen Vor- und Frühgeschichte. Festschrift für Volker Bierbrauer zum 65. Geburtstag (Friedberg 2005), 199-208.

Eine Audioslideshow mit dem Titel „Vergrabene Geschichten“ bringt auf multimedialem Wege die Ergebnisse meiner Dissertation einem breiten Publikum näher: https://lisa.gerda-henkel-stiftung.de/vergrabene_geschichten?nav_id=4330

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Über mich

Forschende - Lehrende - Archäologin | Prähistorikerin - Hochschuldidaktikerin