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Das frühmittelalterliche Gräberfeld von Aschheim-Bajuwarenring, Lkr. München. Studien zu Chronologie, Bestattungssitten, Alters- und Sozialstruktur eines merowingerzeitlichen Ortsgräberfelds der Münchner Schotterebene (Dissertationsprojekt)

Dissertationsprojekt in Kooperation mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, Abteilung Bodendenkmalpflege, Restaurierung Archäologie, der Gemeinde Aschheim, der Geschichtlich-Heimatkundlichen Sammlung Aschheim sowie der Bayerischen Staatssammlung für Anthropologie und Paläoanatomie München

Gegenstand meiner Doktorarbeit war das 1996 entdeckte, 444 Bestattungen umfassende frühmittelalterliche Gräberfeld von Aschheim-Bajuwarenring. Während der Arbeit an diesem Thema wurden bei weiteren Ausgrabungen im Jahre 2002 etwa 700m entfernt 25 Gräber einer weiteren frühmittelalterlichen Nekropole entdeckt: Diese Gräber wurden unter der Bezeichnung „Aschheim- Am Wasserturm“ in dieser Arbeit ebenfalls behandelt, jedoch nachträglich nicht mehr in den Titel aufgenommen.

Die Bearbeitung des Gräberfelds Aschheim-Bajuwarenring und der Gräber vom Aschheimer Wasserturm verfolgte in zwei große Ziele: Zunächst wurden die Funde aus den beiden Aschheimer Nekropolen formenkundlich-antiquarisch und chronologisch näher betrachtet; die Funde wurden gezeichnet und in einen Katalog aufgenommen. Viele der dabei entstandenen Einzelfundanalysen finden sich nun im kommentierten Katalog meiner Arbeit. Es wurde eine relative Abfolge der Grabinventare erstellt, und typische Funde wurden zu Kombinationsgruppen zusammengefasst. Diese Kombinationsgruppen wiederum wurden über Vergleichsfunde mit absoluten Daten versehen. Basierend auf den Fundkombinationsgruppen wurden schließlich die verschiedenen kulturellen Bezüge, die sich in den Grabinventaren spiegeln, näher betrachtet. Besonderes Augenmerk wurde auf die Perlenensembles aus den Frauengräbern gelegt; wie sich zeigte, war eine kombinationsstatistische Untersuchung der Perlenensembles die beste Möglichkeit, die Frauengräber zu datieren. Anhand des Perlenmaterials aus der Nekropole Aschheim-Bajuwarenring gelang es, eine Perlenchronologie zu erstellen, die auch für andere frühmittelalterliche Gräber Altbaierns Gültigkeit besitzt.

Im Falle des Gräberfelds Aschheim-Bajuwarenring liegt nun erstmals die Auswertung einer frühmittelalterlichen Nekropole vor, aus der nur etwa die Hälfte der aufgefundenen Objekte restauriert wurden. Die unrestaurierten Objekte wurden auf Grund von Röntgenbildern bearbeitet und formenkundlich-antiquarisch beurteilt.

Das zweite Ziel der Arbeit befasst sich mit der soziologischen Auswertung der Gräber, insbesondere der Grabinventare der Nekropole Bajuwarenring. Hier wird unter Bezugnahme auf anthropologische Bestimmungen von Geschlecht und Sterbealter der Bestatteten der Zusammenhang von Alter und Beigabenausstattung untersucht. So konnten sowohl altersabhängige Grabsitten als auch altersspezifische Grabausstattungen, und somit auch altersabhängige Kleidungsbestandteile identifiziert, und mit Blick auf die historische und ethnologische Forschung weiter interpretiert werden.

Die Ausgrabung der Nekropole Aschheim-Bajuwarenring erfolge in den Jahren 1997 und 1998, ab dem Jahre 2000 wurden die Funde aus den Gräbern restauriert. Die Konservierung und Restaurierung der Objekte erfolgte erstmalig im Rahmen einer Kooperation zwischen einer Gemeinde und dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege: Während die Gemeinde Aschheim für die Personalkosten der Restauratoren aufkam, stellte das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege einen Arbeitsplatz in der Projektwerkstatt seiner Restaurierungswerkstätten und Arbeitsmittel zur Verfügung. Mit kurzen Unterbrechungen wurde die Restaurierung der Funde bis 2006 fortgeführt. Ebenfalls ab dem Jahre 2000, parallel zur Konservierung und Restaurierung der Funde, begann die archäologische Bearbeitung der Nekropole Aschheim Bajuwarenring. Um eine enge Zusammenarbeit und entsprechenden Austausch zwischen Restaurator bzw. Restauratorin und Archäologin zu ermöglichen, wurde hierfür ebenfalls ein Arbeitsplatz in der Projektwerkstatt eingerichtet. Von Fall zu Fall wurden bei der Analyse einzelner Objekte weitere Spezialisten hinzugezogen, etwa zur Untersuchung von Textilresten die Textilrestauratorin Antja Bartel, Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, oder zur Analyse von Runeninschriften Prof.Dr. Klaus Düwel, Göttingen. Die Skelett- und Knochenfunde des Gräberfelds wurden von der Anthropologin Dr. Anja Staskiewicz in der Staatssammlung für Anthropologie und Paläoanatomie München in den Jahren 2004 bis 2006 im Rahmen des DFG-Projekts „Einfluss eines Seuchengeschehens auf die Alltags- und Sachkultur im frühen Mittelalter am Beispiel des Gräberfelds von Aschheim-Bajuwarenring, 6. bis 7. Jahrhundert n. Chr.“ bearbeitet. Bereits während der Laufzeit des Restaurierungsprojekts wurden zudem immer wieder fertig bearbeitete Funde und Grabensembles zur Ausstellung an die Geschichtlich-heimatkundliche Sammlung Aschheim übergeben. Die Publikation „Das frühmittelalterliche Gräberfeld Aschheim-Bajuwarenring“ ist als Abschluss der Bearbeitung im Jahre 2010 erschienen.

Insgesamt zeichnete sich die Bearbeitung der Nekropole Aschheim-Bajuwarenring durch eine enge Vernetzung zwischen den beteiligten Disziplinen aus, allen voran der Restaurierung, der Archäologie und der Anthropologie, sowie durch eine enge Zusammenarbeit mit der Geschichtlich-heimatkundlichen Sammlung, dem Museum der Gemeinde Aschheim.

Publikation des Gräberfelds:

Das frühmittelalterliche Gräberfeld Aschheim-Bajuwarenring. Materialhefte zur bayerischen Vorgeschichte A 94 (Kallmünz/Opf. 2010).

Vorträge und Kongressbeiträge:

Über Ergebnisse bzw. Teilergebnisse des Dissertationsprojektes wurde auf folgenden Tagungen berichtet:

  • Fundmassen. Innovative Strategien zur Auswertung frühmittelalterlicher Quellenbestände , 8.-10. November 2011 in Esslingen
  • Runen-Workshop am Zentrum für Baltische und Skandinavische Archäologie (ZBSA), 3.-4. Februar 2011 in Schleswig
  • 94. Kolloquium der Arbeitsgemeinschaft Frühgeschichtliche Archäologie am 4. März 2010 in Mannheim
  • auf dem 80. Kolloquium der Arbeitsgemeinschaft Frühgeschichtliche Archäologie am 29. Juni 2006 in Mannheim
  • 1. Münchner Fachschaftskolloquium, 12.-13. Februar 2005
  • 74. Kolloquium der Arbeitsgemeinschaft Frühgeschichtliche Archäologie am 25. November 2004 in Mannheim
  • 77. Tagung des West- und Süddeutschen Verbands für Altertumskunde, 1.-5. Juni 2004 in Amberg

sowie im Rahmen folgender Abendvortrags

  • bei den Montagsvorträgen des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege am 9. Februar 2009
  • am 14. Juni 2010 in Aschheim
  • beim Akademikerinnenbund Hamburg am 20. Oktober 2010

Weitere Publikationen:

Neben der oben genannten Monographie aus der Reihe Materialhefte zur Bayerischen Vorgeschichte sind weitere Aufsätze aus dem Dissertationsprojekt hervorgegangen:

  • D. Gutsmiedl-Schümann, Aschheim-Bajuwarenring: Analyse auf Basis von unrestaurierten Funden und Röntgenaufnahmen sowie teilrestaurierten und restaurierten Funden: Ein Erfahrungsbericht. In: S. Brather/D. Krausse (Hrsg.), Fundmassen. Innovative Strategien zur Auswertung frühmittelalterlicher Quellenbestände. Materialhefte zur Archäologie in Baden-Württemberg 97 (Darmstadt 2013), 199-208.
  • D. Gutsmiedl-Schümann, Das Das frühmittelalterliche Gräberfeld Aschheim-Bajuwarenring – Einblicke zur Bevölkerung der Merowingerzeit. In: Jahresschrift des Bajuwarenhofs Kirchheim 2011 (Kirchheim 2012).
  • D. Gutsmiedl-Schümann, Fibeln und Gräberfeld von Aschheim. (Publikation im Tagungsband zum Runen-Workshop des Zentrums für Baltische und Skandinavische Archäologie (ZBSA) geplant – gegenwärtig im Peer-Review-Verfahren).
  • D. Gutsmiedl, Regionalisierungstendenzen merowingerzeitlicher Perlenmode am Beispiel der Perlen aus dem frühmittelalterlichen Gräberfeld von Aschheim-Bajuwarenring, Lkr. München. In: O. Heinrich-Tamaska/N. Krohn/S. Ristow (Hrsg.), Dunkle Jahrhunderte in Mitteluropa? Tagungsbeiträge der AG Spätantike und Frühmittelalter 1 und 2. Studien zu Spätantike und Frühmittelalter 1 (Hamburg 2009), 183-198.
  • D. Gutsmiedl/M. Volpert, Große Landespolitik in Aschheim. Der Aschheimer Raum zur Zeit der ersten bayerischen Landessynode 756. In: ascheim Aschheim. 1250-Jahrfeier der 1. bayerischen Landessynode unter Herzog Tassilo III 756. dornah Dornach. 1150-Jahrfeier der ersten schriftlichen Nennung 856. Ortschronik der Gemeinde Aschheim  (Aschheim 2006), 58-63.
  • D. Gutsmiedl, Die Pest im frühen Mittelalter in Aschheim. In: Jahresschrift des Bajuwarenhofs Kirchheim 2004 (Kirchheim 2005), 112-116.
  • D. Gutsmiedl, Die justinianische Pest nördlich der Alpen? Zum Doppelgrab 166/167 aus dem frühmittelalterlichen Reihengräberfeld von Aschheim-Bajuwarenring. In: B. Päffgen/E. Pohl/M. Schmauder (Hrsg.): Cum grano salis. Beiträge zur europäischen Vor- und Frühgeschichte. Festschrift für Volker Bierbrauer zum 65. Geburtstag (Friedberg 2005), 199-208.

Eine Audioslideshow mit dem Titel „Vergrabene Geschichten“ bringt auf multimedialem Wege die Ergebnisse meiner Dissertation einem breiten Publikum näher.

Eingeworbene Drittmittel:

Promotionsstipendium des Cusanuswerks: Laufzeit 1. Juni 2005 bis 31. Mai 2008.